Der Köcherbaumwald bei Keetmanshoop

Am zweiten Tag unserer Namibia-Reise stand der Köcherbaumwald in der Nähe von Keetmanshoop als Hauptattraktion auf dem Programm. Von Windhoek starteten wir am frühen Morgen unsere Fahrt, denn wir hatten etwa 500 Kilometer über wenig geteerte Straßen und Schotterpisten vor uns.

Extrem beeindruckt war ich damals von der Weite dieser Landschaft. Nur zwei Städte und Dörfer lagen auf unserem Weg. Dafür entdeckten wir die ersten afrikanischen Tiere in freier Wildbahn… Paviane, Rinder, Gazellen… Wir waren alle ganz aufgeregt und Klaus, unser Guide, musste viele Fotostopps für uns einlegen. Er war wirklich sehr geduldig. 🙂 Und so kam es, dass wir nach mehr als acht Stunden endlich unser Ziel erreichten. (Das lag natürlich nicht nur an den Straßenverhältnissen und den zahlreichen Fotostopps, sondern auch an einigen Pipipausen.)

Der Köcherbaumwald liegt etwa 15 Kilometer nordöstlich von Keetmanshoop. Wenn man diesen Wald mit unseren heimischen Wäldern vergleicht, so hat er diese Bezeichnung wohl kaum verdient. Wir würden ihn vielleicht eher als Ansammlung von einzelnen Bäumen beschreiben. 🙂 In Namibia findet man jedoch keinen anderen Ort, an dem die Köcherbäume so dicht und zahlreich vorkommen. Daher wundert es nicht, dass der Wald den Status eines Naturdenkmals erlangt hat.

Der Köcherbaum (namibisch: Kokerboom) kann bis zu 300 Jahre alt werden und hat sich optimal den schwierigen und extremen Umweltbedingungen angepasst. In seinen dicken Ästen und Stämmen speichert er Wasser und kann so auch längere Trockenzeiten überstehen.

Bis in die frühen Abendstunden erkundeten wir den Köcherbaumwald und waren fasziniert von diesen etwas unwirklich scheinenden Pflanzen.

Direkt neben dem Wald lag unser Camp. Und auch dort gab es das Eine oder Andere zu entdecken… Alte Busse zum Beispiel.

Und “wilde” Tiere… Auf dem Gelände des Camps leben Hunde, Katzen, Esel, Ziegen, Erdmännchen, ein riesiges Warzenschwein und Geparden. Die Geparden durften wir während der Fütterung sogar streicheln. Es war ein besonderes und aufregendes Gefühl diesen schönen Raubkatzen so nahe sein zu können.

Unterkunft: Quiver Tree Forest Camp

Das Camp besteht aus verschiedenen Bungalows und einem Campingplatz. Wir übernachteten in den etwas zugigen Iglubunkern. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass die Iglus aus Pappmasché hergestellt wurden. 😉 In der Nacht war es schrecklich kalt (etwa 5 Grad), die Türen und Fenster des Bungalows waren nicht ganz dicht und an der Decke besaß das Gebäude zur Belüftung eine Öffnung, so dass wir zum Schlafen die Heizung anschalten mussten. Ich glaube, meine Eltern froren in dieser Nacht, denn ihre Heizung war leider defekt. Und nun wussten wir endlich auch, warum im Camp so viele Gäste mit (wohl hoffentlich nur geborgten) Lufthansa-Decken unterwegs waren.

Bevor wir unsere Nachtlager aufsuchten, zauberten wir gemeinsam mit Klaus ein leckeres Abendessen. Es wurde draußen gegrillt (Kuduwürstchen) und drinnen in der Gemeinschaftsküche gegessen. Zu den Würstchen gab es ein unglaublich köstliches Chutney. Dieses Chutney hat es mir damals so angetan, dass ich mich im Nachgang der Reise im Internet auf die Suche gemacht habe. Und ich bin fündig geworden. 🙂 Klaus hat Mrs H.S. BALL’S CHUTNEY damals aus Südafrika mitgebracht, man kann es aber tatsächlich auch im Internet bestellen.

Unser zweiter Tag in Namibia ging also in gemütlicher Runde zu Ende. Auf dem Weg zum Bungalow konnten wir zum ersten Mal den Nachthimmel mit unglaublich vielen Sternen sehen. Von der Südhalbkugel sieht man übrigens einen anderen Sternenhimmel als in Europa – den Großen Wagen beispielsweise konnten wir nicht entdecken und auch die Sichel des Mondes hat am nächtlichen Sternenhimmel eine andere Neigung als bei uns. Dadurch wurde mir erst richtig bewusst, wie weit weg wir tatsächlich von zu Hause sind. Denn egal, wo ich vorher in meinem Leben war, die Sterne und der Mond waren immer dieselben.

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